Eine unbeschreiblich wichtige Erfahrung

Mit einem hervorragenden 22. Platz erreichte Nils Dunkel bei der Turn-EM im rumänischen Cluj-Napoca einen sehr guten Einstand bei seiner ersten großen internationalen Meisterschaft. Ein Einzug ins Mehrkampffinale gelang aufgrund der Regelung von zwei Startern pro Nation nicht, doch Dunkel schaut nach vorn und rechnet mit großen Chancen bei der DM in Berlin.

Nils hatte Pech, dass er ausgerechnet an seinem Paradegerät Pauschenpferd den Wettkampf beginnen musste. Kleine Unsicherheiten in der Ausführung zeigten noch die Nervosität zu Wettkampfbeginn. Die Übung gelang ihm trotzdem sehr gut. An den nachfolgenden Geräten Ringe, Sprung, Barren und Reck schöpfte der 20-Jährige nahezu sein gesamtes Leistungspotential aus. Der Boden, ein für Dunkel eher schwächeres Gerät, zum Abschluss versprach noch einmal Spannung pur. Souverän begann Dunkel mit seiner neuen Ausgangsreihe Salto vorwärts gestreckt mit direktem Doppelsalto perfekt in den Stand. Auch die anderen Sprungkombinationen gelangen sehr gut. Erstmals riskierte er mit einem gehockten Tsukahara beim Abgang eine neue Höchstschwierigkeit. Auch diesen landete er sicher auf beiden Beinen. Insgesamt ein starker Auftritt des MTV- Turners. Mit dem erreichten Ergebnis bestätigt Dunkel seine Nominierung und empfiehlt sich für weitere Einsätze.

Interview von Katharina Bake (Thüringer Turnverband) am 20.04.2017:

Herr Dunkel, das war Ihre erste Teilnahme an einer Meisterschaft im Männerbereich auf europäischer Ebene. Wie wichtig war diese Erfahrung?

Das war unbeschreiblich wichtig! Für mich war es nicht nur eine Entwicklung, sondern auch Bestätigung und Einsicht, dass es nach oben hin weitergeht. Irgendwann ist man als Turner an dem Punkt, sich auch mal international bei den Männern anzubieten, besonders wenn Europameisterschaften anstehen, die einen noch größeren Stellenwert haben als Weltcups.

Was war der erste Gedanke, als Ihre EM-Teilnahme offiziell bestätigt wurde?

Das ist kaum in Worte zu fassen. Ich habe mich gefreut, dass ich dabei bin und einspringen kann. Im zweiten Moment denkt man natürlich an den einen Turner, der stattdessen nicht am Wettkampf teilnehmen kann, da ärgert man sich mit. Und der dritte Gedanke ging in die Heimat. Ich muss meinen Eltern und der Familie Bescheid sagen!

Wo lagen Ihre Erwartungen kurz vor der EM?

Ich bin ohne große Erwartungen an die EM rangegangen. Mir war bewusst, dass es wohl nicht mit einem Einzug in das Finale klappen würde, da mit Lukas Dauser und Philip Herder zwei deutsche Mehrkämpfer dabei waren, die in der Regel bessere Chancen auf eine gute Platzierung haben, selbst wenn ich Top-Leistungen bringe. Dazu sind die Turner aus den anderen Nationen viel zu stark. Ich wollte die Leistungen abrufen, die ich zuvor im Training gezeigt habe, ohne Sturz und fehlerfrei durch den Wettkampf kommen und theoretisch 80 Wertungspunkte erreichen.

Sie haben einen 22. Platz im Mehrkampf erreicht und wären punktemäßig auch ins Finale eingezogen. Wie schätzten Sie Ihre gezeigten Leistungen selbst ein?

Ich denke, ich habe keine großen Fehler gemacht und meine Übungen gut geturnt. Insgesamt hätte ich mir jedoch etwas mehr Punkte erhofft. Besonders am Pauschenpferd. Trotz der minimalen Fehler, bin ich gut durchgekommen. Am Boden, was eher mein schwächeres Gerät ist, habe ich zum Abschluss einen Tsukahara geturnt, obwohl ich dabei im Podiumstraining gestürzt bin und die Überlegung bestand, den ganz wegzulassen. Daher bin ich mit meinem Wettkampf sehr zufrieden, besonders da ich weiß, ich hätte Mehrkampffinal-Teilnehmer sein können.

Wie wird es in den kommenden Wochen und Monate bei Ihnen weitergehen?

Zunächst bleibe ich bis Montag in Rumänien und nehme weiterhin am Männertraining teil. Die Finals werde ich mir natürlich anschauen, um unsere Männer und Frauen zu unterstützen. In Deutschland sind dann erstmal ein paar Tage Ruhe geplant, bevor die nächsten großen Ereignisse anstehen. Der Weltcup in Slowenien, die Bundesliga und, was für mich persönlich sehr wichtig ist, die Deutschen Meisterschaften im Rahmen des Internationalen Deutschen Turnfestes in Berlin. Hier möchte ich durchaus in drei Gerätefinals turnen. Am Pferd, an den Ringen, am Barren und mindestens eine Medaille holen. Eine Platzierung unter den Top 6 im Mehrkampf wäre klasse!