Mit einer unvorstellbaren physischen und psychischen Leistung holte der Erfurter Nils Dunkel Gestern in der Dortmunder Westfalenhalle den Vizemeistertitel der Kunstturner. Ohne Fehler und mit einer unerwarteten Sicherheit bei den Landungen legte er bereits am Startgerät Boden die notwenige Grundlage. Mit 14,05 am Lieblingsgerät Pauschenpferd gab er sich die notwenige Sicherheit für die nachfolgenden Ringe. Präzise Krafthalten und gute Schwungelemente waren der Garant für das viertbeste Ergebnis an den Ringen und ein weiteres Finalgerät. Spannung pur war vor dem Sprung angesagt. Im Vorfeld hatte er lediglich ein einziges Mal nach der Fußverletzung den Sprung (Kasamatsu mit zusätzlicher halben Drehung) unter Wettkampfbedingungen geturnt. Nur mit einem minimalen Hüpfer begeisterte er sein Betreuerteam und gab eine Kampfansage an die Konkurrenz. Mit 14,20 Punkten am nachfolgenden Barren erreichte der Erfurter sein bestes Tagesergebnis. Nun hieß es am Königsgerät Reck sich noch einmal zu konzentrieren. Dies gelang ihm sehr gut und nach wiederholt starker Leistung stand Dunkel überglücklich seinen letzten Abgang des Wettkampfes. Die nicht für möglich gehaltene Medaille war plötzlich in greifbarer Nähe. Das es am Ende sogar noch zum Vizemeistertitel gereicht hat verdankt er auch einer verpatzten Übung von Vizeeuropameister Andreas Toba.

Wieder einmal konnte der Thüringer nach einer Verletzungspause überzeugen. Bereits im Juniorenalter gewann er jeweils mit 16 und mit 18 Jahren den Deutschen Mehrkampftitel nach einer langen Verletzungspause. Dass er mit 80,40 Punkten so kurz nach seiner Fußverletzung gleich eines seiner besten Mehrkampfresultate überhaupt ablieferte war am Freitag die Überraschung des Tages. „Mindestens die halbe Medaille geht an das Team der Ärzte in Berlin und den Physiotherapeuten in Erfurt und Halle. Ein großes Dankeschön an alle, die an mich geglaubt haben und mir dabei geholfen haben mein Ziel der Olympiateilnahme nicht aufzugeben“, so Nils Dunkel  nach dem Wettkampf.

Am heutigen Samstag soll es im Finale am Pauschenpferd noch einmal um eine Medaille gehen. Ob Dunkel diese auch an den Ringen und am Sonntag im Barrenfinale erreichen kann wird sich zeigen.

Nächste Woche Samstag geht es in die zweite Runde der Olympiaqualifikation. Hier muss der Thüringer in der bayrischen Landeshauptstadt noch einmal beweisen, dass er zu den besten vier Turnern gehört. Die Nominierung erfolgt dann am Tag darauf.